Hannover: Sexistische Werbung der Bäckerei-Kette Göing

sexistische Werbung Göing

Göing hat es schon wieder getan. Nachdem die Bäckerei, die seit 1920 33 Filialen in und um Hannover eröffnet hat, bereits in der Vergangenheit sexistische Werbung publizierte, lag im Juli 2019 in den Filialen die Ausbildungsausschreibung „Jeden Tag #Foodporn, isso!“ aus.

Dabei dürfte doch eigentlich davon ausgegangen werden, dass gerade Unternehmen mit einer Marketing-Abteilung bewusst ist, dass sexistische Werbung ein absolutes No-Go ist: nach Hashtags wie #metoo oder #Aufschrei, der Einführung von gendergerechter Sprache in Hannover im Jahr 2019, nach der großangelegten bundesweiten Kampagne „Wer braucht Feminismus?“ aus Hannover, der bekannten Meldestelle für sexistische Werbung von Pinkstinks oder nach der öffentlichen Thematisierung von Sexismus und toxischer Männlichkeit in den Medien (z.B. Gillette-Werbespot 2019).

Leider scheint dies die Verantwortlichen der Bäckerei Göing nicht erreicht zu haben.

Ausbildungsbewerbungs-Karte „Jeden Tag #Foodporn, isso!“

Auf der Karte ist die untere Hälfte eines Gesichts in Nahaufnahme zu sehen. Der Mund ist leicht geöffnet und die Zunge seitlich zur Seite herausgestreckt. Auffällig ist, dass die gesamte Lippenpartie mit bunten Streuseln bedeckt ist, die augenscheinlich nun von der ausgestreckten Zunge genüsslich abgeleckt werden.

Foodporn = Porno

Das Bild stellt durch die Darstellung des Lippenableckens, an denen etwas klebt in Kombination mit dem Wort „Foodporn“ die Verbindung zu Pornografie deutlich her. Unabhängig, wessen Lippen dort abgebildet werden, entsteht sofort der Eindruck, dass es eine Frau ist, die sich genüsslich, denn es handelt sich ja um bunte Streusel, die normalerweise beispielsweise auf Donuts zu finden sind, die klebrigen Kugeln ableckt. Dabei fällt mir direkt die sexistische Werbung  von Lidl ein, die ebenfalls 2019 mit ihrer Donut-Kampagne „Loch ist Loch“ einen Shitstorm ausgelöst hat.

Was möchte uns Göing damit sagen?

Wenn sich bewusst gemacht wird, dass sich Pornografie eine ausschließlich männlichen Sichtweise auf Sexualität bedient, die mit echtem Sex, der auch für die Frau Befriedigung bringt, so rein gar nichts zu tun hat, dann muss sich die Frage gestellt werden, warum Göing aber eben genau diese Assoziation auswählt um Menschen (meist Frauen) für die Ausbildung  zu gewinnen.

Ganz im Gegenteil ist es ja keine neue Erkenntnis, dass Porno-Darstellerinnen, wenn sie von den Pornoproduktionen berichten, von bezahlten Vergewaltigungen sprechen, bei denen sie wie eine Ware benutzt und gehandelt werden, gezwungen und finanziell abhängig gemacht werden und sie psychische und körperliche Schädigungen davon tragen. Aus diesem Grund ertragen die wenigsten dies kaum länger als ein paar Monate.

Der Werbespruch „Jeden Tag #Foodporn, isso!“ macht zudem deutlich, dass die Backwaren von Göing täglich konsumiert werden sollten – wie Pornos. Das Anhängsel „isso!“ soll dem ganzen Nachdruck verleihen und keinen Raum für Diskussion lassen. Denn: Dass vor allem Männer pornografische Inhalte konsumieren, ist ja leider ebenfalls keine Neuigkeit. Göings hat augenscheinlich den Wunsch, dass mehr Männer täglich in eine der Filialen kommen und die Waren konsumieren, wie viele es auch bei Pornos tun. Oder eben eine Ausbildung bei ihnen beginnen. Denn dass es sich bei der Karte um eine Ausschreibung für eine Ausbildung handelt, wird nur auf den zweiten Blick auf Grund des sehr klein abgedruckten Wortes „Ausbildung“ deutlich und wenn die Karte in die Hand genommen und umgedreht wird.

An Frauen richtet sich die Karte jedenfalls nicht.

Ist Göing wirklich so unwissend?

Die sexistische Darstellung und Verbindung zu Pornografie, aber auch die bewusste Nutzung eben jenen Hashtags in Zeiten, in denen #metoo ein gesellschaftliches Thema ist, lässt vermuten, dass Göing provozieren möchte und ganz bewusst Sexismus nutzt um Aufmerksamkeit auf Kosten von Frauen auf sich zu ziehen.

Dieses Vorgehen der Bäckerei ist frauenverachtend und es ist erschreckend, dass dies auch im Jahr 2019 problemlos umgesetzt wird. Sexistische Werbung wie die der Bäckerei Göing gehört verboten. Es sollte sich beispielsweise an Großbrittanien orientiert werden, die aktuell ein Verbot von sexistischer Werbung eingeführt haben. In München wurde 2018 parteiübergreifend durchgesetzt, dass auf städtischen Flächen keine sexistische Werbung angebracht werden darf. Ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Beschwerden zu der sexistischen Werbung können direkt an die offizielle Emailadresse info@goeing.de gesendet werden.

Du möchtest sexistische Werbung melden? Dies kannst du beispielsweise bei der Meldestelle für sexistische Werbung bei Pinkstinks.de machen!

Deine Meldestelle für sexistische Werbung!

Autoren-Info:

Sebastian Tippe

Sebastian Tippe ist FeministInProgress, Diplom-Pädagoge und Jungenarbeiter mit den Schwerpunkten geschlechtersensible Pädagogik, feministische Jungenarbeit und antirassistische Bildungsarbeit.

Er arbeitet als Antidiskriminierungsberater, hält Vorträge, gibt Webinare, schreibt Artikel/ Blogs und bietet Workshops zu feministischen Themen an.

Für pädagogisches Fachpersonal bietet er Fortbildungen zu geschlechtersensibler Pädagogik an, sowie Workshops für Schüler*innen um Geschlechterrollen aufzubrechen.